Wie in den monotheistischen Kirchen gilt in der Kritischen Theorie Bilderverbot für die Utopie: Du sollst Dir kein Bild machen, weil du als kapitalistisches Produkt nicht wissen kannst, wie freie Menschen ihre Gesellschaft gestalten würden. Außerdem widerspricht es auch schon grundsätzlich der Vorstellung von freier Gestaltung, wenn man deren Ergebnis in einer „ausgepinselten“ Fantasie vorwegnehmen will.

Meine Ausrede:

1. Adorno: „Wenn es wahr ist, daß es heute ginge, daß es möglich wäre, dann wäre eine der theoretischen Gestalten der Utopie, ... daß man konkret sagen würde, was bei dem gegenwärtigen Stand der Produktivkräfte der Menschheit möglich wäre. Das läßt sich konkret, und das läßt sich ohne Ausmalen, und das läßt sich ohne alle Willkür sagen, und ... wenn das nicht gesagt würde, wenn dieses Bild nicht auch erscheint, dann weiß man im Grunde gar nicht so ganz, wozu das Ganze eigentlich da ist, wozu die ganze Apparatur eigentlich in Bewegung gebracht wird. Da, verzeih, wenn ich mich nun in die unerwartete Rolle des Anwalts des Positiven begebe, aber ich glaube, ohne dieses Moment, käme man doch in einer Phänomenologie des utopischen Bewußtseins nicht aus.“
(Theodor W. Adorno mündlich zu Ernst Bloch (1964))

2. Na und? Es ist ja nur ein Vorschlag. Ein Vorschlag wie Training, um geschmeidig zu bleiben, um etwas zu haben, wenn es an der Zeit ist. Damit man losgehen kann. Siehe Adorno. Wie widerlegt man die Zenonischen Beweise gegen die Wirklichkeit der Bewegung? Man steht auf und geht. Am Ende ist die Frage nach der Utopie praktisch zu beantworten. Und was ist praktischer als eine gute Theorie?