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Philosophie

Der Philosoph Adorno schreibt von einem „Bereich, der für undenkliche Zeiten als der eigentliche der Philosophie galt … die Lehre vom richtigen Leben … Wer die Wahrheit übers unmittelbare Leben erfahren will, muß dessen entfremdeter Gestalt nachforschen, den objektiven Mächten, die die individuelle Existenz bis ins Verborgenste bestimmen. Redet man unmittelbar vom Unmittelbaren, so verhält man kaum sich anders als jene Romanschreiber, die ihre Marionetten wie mit billigem Schmuck mit den Imitationen der Leidenschaft von ehedem behängen, und Personen, die nichts mehr sind als Bestandstücke der Maschinerie, handeln lassen, als ob sie überhaupt noch als Subjekte handeln könnten, und als ob von ihrem Handeln etwas abhinge. Der Blick aufs Leben ist übergegangen in die Ideologie, die darüber betrügt, daß es keines mehr gibt."1

Das klingt nun nicht direkt wie der große Aufbruch zu einer neuen Gesellschaft. Doch hat Adorno meiner Ansicht nach darin recht, dass ein kritischer Blick auf Menschen und Gesellschaft notwendig ist, um die Oberfläche zu durchdringen, die immer nur ausschreit: Es gibt keine Möglichkeit zur Heilung, so sind die Menschen! In bestimmter Negation dieser durchdrungenen Oberfläche könnte die Lehre vom richtigen Leben ihr Refugium finden. Ex negativo, also in Absetzung vom bestehenden falschen, könnte das richtige Leben aufscheinen.

1 Theodor W. Adorno: Minima Moralia (1951), Ges. Schr. Bd. 4, Suhrkamp, Frankfurt/Main, 1980, S.13

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