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Quelle: Jacob Böhme

Die Idee vom Leib als Träger und Aufbewahrer des Uterusparadieses floss aus einer vor der Hand eher trüben Quelle, nämlich von Jacob Böhme, einem christlichen Mystiker, der um 1600 herum gelebt hat. Er schrieb über die heilige, heilige, heilige Dreifaltigkeit Gottes, und er schrieb Folgendes:

„In deinem Herzen, Adern und Hirne hast du deinen Geist. Alle die Kraft, die sich in deinem Herzen, Adern und Hirne beweget, darinne(n) dein Leben stehet, bedeutet Gott den Vater. Aus derselben Kraft empöret sich dein Licht, daß du |in derselben Kraft siehest, verstehest und weißt, was du tun sollst; denn dasselbe Licht schimmert in deinem ganzen Leibe und beweget sich der ganze Leib in Kraft und Erkenntnis des Lichtes, das bedeutet Gott, den Sohn … Gleichwie vom Vater und Sohn ausgehet der Hl. Geist und ist eine selbständige Person in der Gottheit, und wallet in dem ganzen Vater, also gehet auch aus den Kräften deines Herzens, Adern und Hirn aus die Kraft, die in deinem ganzen Leibe wallet, und aus deinem Lichte gehet aus in dieselbe Kraft, Vernunft, Verstand, Kunst und Weisheit, den ganzen Leib zu regieren und auch alles, was außer dem Leibe ist, zu unterscheiden. Und dieses beides ist in deinem Regiment des Gemütes ein Ding, dein Geist, und das bedeutet Gott, den Hl. Geist. Und der Hl. Geist aus Gott herrschet auch in diesem Geiste in dir, bist du aber ein Kind des Lichts und nicht der Finsternis … Denn von wegen dieses Lichts, Verstandes und Regiments ist der Mensch unterschieden von den Tieren, und ein Engel Gottes, wie ich klar beweisen will, wenn ich von Erschaffung des Menschen schreiben werde."1

Nun ist mit Gott philosophisch ja nicht mehr so viel Staat zu machen, seit Immanuel Kant ihn in seiner Kritik der reinen Vernunft (1781) nach Heines Wort hat über die Klinge springen lassen2. Aber materialistisch übersetzt scheinen mir Böhmes Gedanken durchaus diskutabel.

1 Jacob Böhme: Morgenröte im Aufgang (1612), in: Werke, Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt/Main, 1997, S. 76f, von mir sprachlich modernisiert.

2 "Immanuel Kant ... hat den Himmel gestürmt, er hat die ganze Besatzung über die Klinge springen lassen, der Oberherr der Welt schwimmt unbewiesen in seinem Blute, es gibt jetzt keine Allbarmherzigkeit mehr, keine Vatergüte, keine jenseitige Belohnung für diesseitige Enthaltsamkeit, die Unsterblichkeit der Seele liegt in den letzten Zügen - das röchelt, das stöhnt - und der alte Lampe [Kants Diener, A. H.] steht dabei mit seinem Regenschirm unterm Arm, als betrübter Zuschauer, und Angstschweiß und Tränen rinnen ihm vom Gesichte." (Heinrich Heine: Religion und Philosophie in Deutschland, in: Sämtliche Schriften, Band 5: Schriften 1831 - 1837, Ullstein, Frankfurt e. a., 1981, S. 604)

 

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